Roboterbienen und andere Frühlingsboten

Robobienen übernehmen die Weltherrschaft schrieb ich kürzlich, um auf meine letzte Romberg-Gartenkolumne hinzuweisen. Ich hatte mir in der Kolumne Roboterbienen zusammenfantasiert, die künftig die Bestäubung der Blüten übernehmen müssen, wenn das Bienensterben weiter so voranschreitet. Nun habe ich aber sehr aufmerksame Leser. Silke Stach, Texterin und Übersetzerin im Textlabor, ist Bienenexpertin und verriet mir: Roboterbienen gibt es schon! Und sogar Kuschelbienen :-) Mit ihrer freundlichen Genehmigung lasse ich euch jetzt an ihrem "Bienen-Brief" teilhaben:

Bienen. Foto: Silke Stach

Waiting for the girls: Männchen (zu erkennen am weißen Haarpuschel auf dem Kopf) der roten Mauerbiene warten darauf, dass die ersten Weibchen schlüpfen. Foto: Silke Stach


Liebe Petra,

Frühling! Die Jahreszeit, die bei mir zu plötzlichen Energieschüben führt und mich Dinge tun lässt, zu denen ich mich im ganzen Rest des Jahres immer zwingen muss. Joggen gehört eindeutig dazu und so habe ich mich sehr gefreut, Dich virtuell beim Joggen durch meine Heimatstadt Berlin begleiten und selbst sitzenbleiben zu können.

Mit dem Joggen habe ich es nicht so, dafür aber umso mehr mit den Bienen, die ja offenbar nun nicht nur hier in der Schweiz sondern auch in Berlin wieder unterwegs sind. Bevor ich eine eifrige Textine1 geworden bin, war ich nämlich Bienenforscherin (unter anderem a der FU Berlin) und das lässt einen wahrscheinlich ein Leben lang nicht mehr los.

1 Textine = Mitglied im Texttreff


Und so folge ich Deinen Gedanken zum Frühling und den Bienen und freue mich, Dir mitteilen zu können: Robobienen gibt es tatsächlich! In Berlin! Allerdings fliegen die nicht durch die laue Frühlingsluft und bestäuben die Blüten. Sie wurden von Wissenschaftlern entwickelt, um die Sprache der Bienen – den Bienentanz – zu entschlüsseln.

Bienendemokratie: Wie Bienen kollektiv entscheiden und was wir davon lernen können*


„Aber das habe ich doch schon in der Schule gelernt!“, werden jetzt viele sagen. Das stimmt auch. Schon Karl von Frisch hat Anfang des letzten Jahrhunderts die Tanzsprache der Bienen entdeckt und ihre Bedeutung dekodiert. Der Tanz der Honigbienen, bei dem einzelne Sammlerinnen ihren Schwestern Richtung und Entfernung von Futterquellen mitteilen, ist ein im gesamten Tierreich einzigartiges Beispiel für Kommunikation. Aber noch sind nicht alle Details verstanden und die heutige Technik bietet natürlich ganz andere Möglichkeiten als die Beobachtungen zu Zeiten Karl von Frischs.

An der FU Berlin haben Biologen und Informatiker einen Roboter entwickelt, der den Bienentanz auf der Wabe imitieren soll. Durch Experimente, bei denen man den Tanzroboter eine bestimmte Information „tanzen“ lässt und dann schaut, ob die Bienen diese Information „verstehen“, will man den Bienentanz in allen seinen Einzelheiten verstehen. Ob das gut funktioniert? Wir dürfen gespannt sein…

Die Bienenkiste: Selbst Honigbienen halten - einfach und natürlich*

Bestäuber unterstützen

Inzwischen müssen wir uns wohl mittels Pinsel und Handbestäubung über den Bienenmangel hinweghelfen. In China ist das nach übermässiger Umwelt-Sauerei schon traurige Realität. Die haben es tatsächlich hinbekommen, ganze Landstriche bienenfrei zu machen. So weit ist es hier zum Glück noch nicht und jeder von uns kann einen Beitrag dazu leisten, dass es den Honigbienen, Wildbienen, Hummeln und anderen Bestäubern gut geht. Zum Beispiel kann man im Garten und auf dem Balkon Pflanzen anbauen, die Bienen als Futterquelle dienen. Heute bekommt man im Fachhandel bienenfreundliche Samenmischungen fix und fertig zu kaufen. Oder nicht den Standardhonig in der praktischen Kopfsteh-Flasche kaufen, sondern den vom Imker aus der Nachbarschaft.

Oder man bietet Wildbienen Nistplätze an. Gerade haben wir im Kindergarten mit den Kindern Insektenhotels gebaut: Mit einer grossen Standbohrmaschine haben die Kleinen Löcher in Holzblöcke gebohrt. Die Blöcke wurden noch bunt bemalt und an der Südwand des Kindergartens aufgehängt.

Insektenhotel aus Holz*

Osmia rufa, die Kinderbiene

Wir haben seit vielen Jahren rote Mauerbienen in solchen Holzblöcken auf dem Balkon. Dieses Jahr haben wir die Blöcke in den Kindergarten getragen und dort angebracht, damit die Bienen dort die neuen Hotels besiedeln können. Während die Kinder noch eifrig am Bohren und Malen waren, sind die ersten Bienen aus ihren Löchern geschlüpft! Was für ein Hallo!

Die rote Mauerbiene (Osmia rufa) ist eine solitär lebende Biene, die nur 2 bis 3 Monate im Jahr unterwegs ist. An den ersten warmen Tagen im März schlüpfen die Männchen aus ihren Löchern und warten nun darauf, dass auch die Weibchen schlüpfen. Sie stürzen sich regelrecht auf die ersten Mädels, um sich zu paaren.

Wenn die Weibchen begattet sind, beginnen sie, Pollen und Nektar zu sammeln, in vorhandene Löcher zu stopfen und ein Ei darauf zu legen. Dann wird das Loch mit einer mörtelartigen Masse zugemauert (Mauerbiene!) und das nächste Ei gelegt. So wird in einem Strohhalm oder eben in einem Bohrloch im Insektenhotel eine Kammer nach der anderen gebaut. Ist diese Arbeit erledigt, dauert es bis zum nächsten Frühjahr, bis die Bienen schlüpfen.

Die rote Mauerbiene ist sehr friedlich und hat zwar einen Giftstachel, doch ist der so weich, dass er unsere Haut nicht durchdringen kann. Deshalb sind es regelrechte Kuschelbienen, die in die Hand genommen werden können. Das ist ein tolles Erlebnis für die Kinder, von denen einige noch nie einen Käfer oder ähnliches Getier auf der Hand hatten. Rechtzeitig zu den Sommerferien ist die Flugzeit von Osmia rufa abgeschlossen und jedes Kind kann sein Insektenhotel mitnehmen, zu Hause aufhängen und im nächsten Jahr darauf warten, dass die Sonne wieder genug wärmt, um die Bienen schlüpfen zu lassen.

Seit gestern ist nun auch offiziell Frühling und wir haben die Grill-Saison eröffnet. Hurra!

Summ, summ
Silke

- - - -

Vielen Dank, liebe Silke! Wir haben viel gelernt und ich bin mal sehr gespannt, ob ich irgendwo Kuschelbienen entdecken kann. Und hier noch ein Video, auf dem man die Forschung mit den Robobienen näher betrachten kann:

 


Noch mehr “bienliches” gibt es auf der Robobienen-Homepage der FU.

Hat jemand von euch Bienen im Garten? Oder ein Insektenhotel?

Liebe Grüße

Petra
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Kommentare:


Hallo Petra,

das ist spannend, das Projekt mit den Robobienen. Ich habe in grauer Vorzeit während meines Bio-Studiums mal das Farbsehen der Honigbienen untersucht und war seither von diesen Insekten fasziniert. Seit einem Jahr haben wir einen eigenen Bienenstock und usnere drei Kinder (zwischen 2 und 8J.) werden gaaaanz langsam zu kleinen Imkern, der Große hilft schon richtig mit.
von den Bienenkisten waren wir nicht so 100% überzeugt und haben sie wieder verkauft…
Insektenhotels sind auch im Garten und die Mauerbienen sind schon wild am bauen - auch gerne in die Löcher der Rolläden :-)
Vielleicht darf ich noch ein bisschen für eine “Rettet die Bienen”-Petition werben?
die industrielle Landwirtschaft bedroht die Bienen. Doch die Bundesregierung will jetzt Pestizide und Monokulturen sogar auf Schutzflächen erlauben. Die Agrarminister der Länder können die Regierung aufhalten. Schon am 3. April fällt auf ihrer Konferenz in Cottbus die Entscheidung.
Wer helfen will, das zu verhindern, kann hier unterzeichnen…
https://www.campact.de/Bienen-brauchen-Vielfalt
Liebe Grüße
SteffiFee

Die SteffiFee  am  26. März 2014



Liebe SteffiFee,

klar, für solche Dinge darfst du ausnahmsweise werben - das ist ja wichtig.

Schön, dass bei euch im Garten schon fleißige Bienchen unterwegs sind. Und danke auch für deine Einschätzung zur Bienenkiste.

Liebe Grüße
Petra

Petra A. Bauer  am  27. März 2014



Hallo,

Wer sich für die hübschen roten Mauerbienen interessiert, kann den Winter nutzen, um Nisthilfen zu basteln. Im Frühjahr besiedeln die Bienen ganz von allein ihren neuen Nistplatz.

Günter Hofsäß  am  28. März 2014



Hi Petra, ich habe den Beitrag sogar schon im TV gesehen. Echt super Spannend. Leider hilft eine Robo-Biene nicht gegen die gegenwärtigen Probleme, die wir mit unseren Bienen haben…
Ich kann nur jedem empfehlen, der einen Garten besitzt, sich ein kleines Insektenhotel zu basteln, wo Wildbienen unterschlupf finden. So kann fast jeder einen kleinen Beitrag zum Erhalt der Bienen leisten und das Thema Handbestäubung bleibt hierzu Lande noch in weiter ferne.

Viele Grüße
Bee-Fan

Bee-Fan  am  01. September 2016



Toller Beitrag Petra.
Ich habe gesehen dass du (noch) flattr nutzt ;)
Klasse, dass es noch User gibt, die diese Plattform nutzen !

lg

Imke Ahrens  am  06. Januar 2017



Schöner Artikel Petra !

Sandra  am  07. Januar 2017




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